Als Eltern die Berufsfindung unterstützen

Es ist schon verrückt, wie viele Kurse, Ratgeber und Unterstützungsangebote es für Eltern von Kindern unter 2 Jahren gibt. Ganze Organisationen und auch private Initiativen widmen sich diesem Thema und ja, es ist wichtig, Eltern, junge Familien in dieser Phase zu unterstützen. Es ist auf verschiedenen Ebenen herausfordernd Eltern zu werden – plötzlich ist man mit einer unglaublichen Verantwortung konfrontiert, gleichzeitig ändert sich das Leben auf eine drastische Art und Weise. Mit der Zeit wachsen wir als Eltern in unsere Rolle hinein und stürzen uns kopfüber in das turbulente Abenteuer „Familienleben“.

Und plötzlich sind die Kinder 17 und sollen eine bedeutende Entscheidung treffen, nämlich keine geringere als diese: In welche Richtung soll mein beruflicher Weg gehen? Was soll ich nach dem Abi machen?

Die Rolle der Eltern ist in dieser wichtigen Lebensphase nicht klar definiert. Eigentlich ist ein Ablösungsprozess im Gange, der nicht selten die konstruktive Kommunikation zwischen Eltern und Jugendlichen – sagen wir – erschwert. Das soll so sein, auch wenn es nicht einfach ist, insbesondere für Eltern. Gleichzeitig steht aber auch diese doch weitreichende (Lebens-)Entscheidung an und das Gefühl von elterlicher Verantwortung und der Wunsch, den Jugendlichen auch in dieser Phase bestmöglich unterstützen zu können, ist noch immer da. Du spürst warhscheinlich auch, dass die Berufsfindung für dein Kind eine echte Herausforderung ist.

In diesem Blogartikel geht es um deine Rolle in der Phase der Berufsfindung deines Kindes und die Frage, wie du als Elternteil dein Kind in der Phase der Berufsfindung bestmöglich unterstützen kannst.

Warum die Berufsfindung nach dem Abitur so schwerfällt

  • Qual der Wahl: Hunderte Studiengänge, unzählige Ausbildungsberufe und duale Formate stehen zur Auswahl. KI und die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt der Zukunft, neue Berufsfelder, von denen wir nur eine vage Ahnung haben.
  • Fehlende Klarheit: Hinzu kommen Unsicherheiten die eigene Person betreffend. Jugendliche machen ihre Stärken häufig von dem Erfolg in einzelnen Schulfächern abhängig. Eine 2 in Mathe muss allerdings nicht zwangsläufig einen technischen Beruf zur Folge haben. Wo ihre Stärken und Kompetenzen und Interessen wirklich liegen, ist ihnen häufig nicht klar.  
  • Ratschläge: Plötzlich fühlen sich viele Personen im eurem familiären Umfeld dazu berufen, ungefragt Empfehlungen auszusprechen, die meist im eigenen beruflichen Horizont liegen.

Was folgt, ist zielloses abendliches Googeln nach Berufen, die man kennt, die jemand vorgeschlagen hat. Hier wird ein wichtiger Schritt übersprungen: eine strukturierte Auseinandersetzung mit der eigenen Person.

Was Eltern wirklich tun können – und was eher nicht hilft

Als Elternteil spürst du nach wie vor Verantwortung. Das hört ja nicht auf, nur weil die Kinderschuhe im Flur größer sind als deine eigenen. Der Wunsch, zu helfen ist verständlich und richtig. Du suchst das Gespräch zum Thema und gut gemeinte Reaktionen führen eher zum Rückzug des Kindes als zum offenen Gespräch.

Was eher nicht hilfreich ist:

  • Ständige Nachfragen und Druck

„Hast du endlich einen Termin bei der Studienberatung gemacht?“

  • Fertige Lösungen präsentieren

„Mach BWL, das ist solide und öffnet einfach alle Türen.“

  • den eigenen (ungelebten) Berufswunsch auf das Kind projizieren

„Ich wäre so gerne Kinderärztin geworden.“

  • Fristen und Deadlines als Druckmittel einsetzen

Was hilfreich ist:

  • ernsthaftes Interesse zeigen, ohne zu bewerten – einfach zuhören und ggf. erstmal sacken lassen
  • ehrlich von der eigenen Berufsbiografie erzählen: Wie hast du deinen beruflichen Weg gefunden? Welche Entscheidungen waren richtig, welche nicht?
  • praktische Erkundungen ermöglichen: Praktika, Berufsschnuppern, Gespräche mit Menschen aus verschiedenen Berufen initiieren
  • einen geschützten Rahmen schaffen, in dem Unsicherheit erlaubt ist (auch bei den Eltern)
  • professionelle Begleitung in Betracht ziehen

5 Tipps für eine strukturierte Berufsfindung

  1. Stärken vor Berufe setzen

Du siehst als Elternteil die Stärken deines Kindes: Den 17-jährigen, der so gut mit kleinen Kindern umgehen kann, die Tochter, die einen glasklaren analytischen Blick für zwischenmenschliche Situationen hat. Eltern sehen diese Stärken. Und weißt du, was ich dann in den Coachings erlebe, wenn es um die Stärken geht? Stille. Es fällt den Jugendlichen unglaublich schwer, die eigenen Stärken zu benennen. Daher starte ich genau da. Statt mit einer Liste von Berufen zu starten, lohnt es sich, zuerst die eigenen Stärken, Interessen und Werte zu erkunden. Was fällt leicht? Was macht Freude, auch wenn es anstrengend ist? Wobei vergesse ich alles um mich herum? Wer sich selbst kennt, kann viel gezielter nach passenden Berufsfeldern suchen.

  • Persönlichkeit als Kompass nutzen

Wissenschaftlich fundierte Persönlichkeitsanalysen, wie zum Beispiel der LINC Personality Profiler, helfen dabei, Charaktereigenschaften, Motive und Kompetenzen sichtbar zu machen. Die Erkenntnisse helfen enorm dabei, die eigene Persönlichkeit, Verhaltensweisen und Entscheidungen in der Retrospektive zu verstehen, aber auch dabei, kluge Entscheidungen bezüglich der (beruflichen) Zukunft zu treffen. Von einer ausführlichen Persönlichkeitsanalyse gewinnt man Klarheit und profitiert davon viele Jahre. Übrigens auch als Elternteil.

  • Berufe erkunden statt nur recherchieren

Berufsfelder im Internet zu erkunden ist eine Sache – in ein Unternehmen zu gehen und dort in ein Berufsfeld hineinzuschnuppern eine ganz andere. Schon kurze Praktika, Informationsgespräche oder Shadowing-Tage geben ein realistisches Bild davon, wie ein Beruf wirklich aussieht. Wichtig dabei ist, das eigene Netzwerk für dein Kind zu öffnen, Möglichkeiten aufzuzeigen und die Entscheidung dem Kind zu überlassen. Eben nicht zu sagen: „Ich habe einen Praktikumstag bei Tante Ellen in der Kanzlei für dich organisiert.“ Sondern zum Beispiel: „Was hältst du davon, die Berufsfelder, die dich interessieren, besser kennenzulernen? Wir haben folgende Kontakte. Sag uns Bescheid, wenn wir dir helfen können…“

  • Träume ernst nehmen – auch die scheinbar unrealistischen

Ob wir wollen oder nicht – unsere Kinder gehören zu einer anderen Generation mit einer anderen Lebenswirklichkeit und anderen Erwartungen an das Leben und die Arbeitswelt. Und auch wenn es schwerfällt, sollten wir uns mit Bewertungen zurückhalten. Sätze wie „Mit Macbook im Café mit dem Matcha-Latte sitzen, ist doch kein Beruf.“ „Es können nicht alle auf Bali Yoga unterrichten.“ In jedem (noch so verrücktem) Traum steckt ein Kern, der wertvoll ist und unbedingt angesehen werden sollte. Wer seinen Träumen nachspürt, findet oft überraschend konkrete Hinweise auf den eigenen Weg. Es geht deinem Kind vielleicht gar nicht um das Macbook oder den Matcha-Latte. Vielleicht steckt dahinter ein Bedürfnis nach Selbstbestimmtheit, Freiheit oder vielleicht spiegelt sich in diesem Stillleben ein ausgeprägter Sinn für Ästhetik. Eine zentrale Frage in meinen Coachings ist es, danach zu fragen, wie die Bedürfnisse, die sich manchmal in den oben genannten Äußerlichkeiten verbergen, mit dem Berufsleben in Verbindung bringen kann. Und dann ist das keine Traumtänzerei. Dann werden aus Träumen durchaus realistische Perspektiven.

  • Erste Schritte planen, statt auf die perfekte Idee warten

Die eine, perfekte Berufswahl, die sich vom ersten Moment an richtig anfühlt und 40 Jahre für Erfüllung sorgt, gibt es nur selten. Viel häufiger ist es ein Prozess: ein Schritt nach dem anderen, mit Offenheit für das, was dabei entsteht, und mit Verständnis für die Person, die immer im Werden ist.

Ein konkreter Fahrplan mit klaren Schritten, der auch Hindernisse mitdenkt, hilft, aus der lähmenden Phase der Unentschlossenheit herauszukommen.

Und wenn trotzdem keine Richtung entsteht?

Manchmal kommen wir nicht weiter als Eltern. Wir rennen gegen die Wand. Diese Wand ist ein Teil der Ablösung, die gerade in vollem Gange ist. Daher ist es kein elterliches Versagen, wenn du nicht vorankommst. Allerdings ist die berufliche Entscheidung natürlich bedeutsam. Daher ist es manchmal hilfreich, eine neutrale Person mit ins Boot zu holen und damit einen Raum zu schaffen, in dem Jugendliche fundierte Begleitung und Beratung bekommen.

Genau das ist der Ansatz meines Coachings „Wegweiser Zukunft“. In sechs Wochen erarbeiten wir gemeinsam ein klares Fundament für die Berufswahl – mit wissenschaftlich fundierten Tools, individuell ausgewählten Coaching-Methoden und einem Plan für die nächsten Schritte.

Wenn du das Gefühl hast, dass dein Kind (und du als Elternteil) Unterstützung gebrauchen könne, schau dir gerne mein Coaching-Angebot „Wegweiser Zukunft“ an. Ein unverbindliches Erstgespräch reicht oft schon aus, um zu spüren, ob dieser Weg passt.

Loslassen und begleiten – beides ist möglich

In gewisser Weise bist du als Elternteil von Jugendlichen in einem Dilemma. Du sollst loslassen und da sein. Verantwortung überlassen, auch wenn du als Erwachsene natürlich mehr Lebenserfahrung hast und selbstverständlich einen besseren Überblick über einen beruflichen Werdegang. Das hat schon etwas von der Quadratur des Kreises.

Daher braucht dein Kind in erster Linie Rüstzeug, mit dem es Entscheidungen selbst treffen kann. Einen Rucksack für den Weg – vollgepackt mit Kenntnissen über die eigenen Stärken, mit Klarheit über Werte, Motive und Kompetenzen und mit großen Träumen. So vorbereitet können wir die Kinder Schritt für Schritt vorangehen lassen. Dann werden sie ihren Weg finden und auch damit klarkommen, wenn sie sich mal verlaufen.

Tags

Kommentare sind deaktiviert