Was mich meine Faszination für Archäologie über Berufswahl gelehrt hat

Du musst dich bald entscheiden, wie es nach dem Abitur weitergeht und bist dir nicht sicher, ob es dieses Interesse zum Beruf machen soll?

Oder du begleitest dein Kind und bist unsicher, welchen Ratschlag du geben sollst? Insgeheim findest du den Berufswunsch vielleicht sogar unrealistisch?

In diesem Artikel geht es um die Frage, welche Rolle Interessen bei der Berufswahl spielen. Es geht um Interessen, die uns ein ganzes Leben lang begleiten und nicht zu unserem Beruf werden.

Ein Mutmacher für dich vorweg: Interessen können immer da sein, auch ohne unseren Kühlschrank füllen zu müssen.

Berufswahl nach dem Abitur – gar nicht so einfach, oder?

Pyroklastische Ströme. Eruption. Eine Stadt am Fuße des Vesuvs. Eine Archäologin, die vorsichtig und geduldig mit dem Pinsel einen Fund freilegt.

Seit ich denken kann, interessiere ich mich für Geschichte, besonders für Archäologie, für frühe Hochkulturen. Diese Faszination ist ungebrochen. Immer wieder lasse ich mich hineinziehen in die staubige Welt der Ausgrabungen, in die Labore und Bibliotheken.

Durch kleine, unscheinbare Funde hineingezogen zu werden in den Alltag der Menschen, das begeistert mich. Es ist doch faszinierend, was alles möglich ist, was wir durch moderne Technik und komplexe analytische Verfahren aus einem einzelnen Knochen über das Leben der Menschen herausfinden können. Dadurch spüre ich immer eine Verbindung mit den Menschen, die vor so langer Zeit gelebt haben, mit unseren Vorfahren. Ich ertappe mich bei der Frage: Was unterscheidet mich überhaupt von einem Menschen in Pompeji (mein aktueller Interessensschwerpunkt). Wie hätte ich mich verhalten in diesem Katastrophenfall?

Und trotzdem: Ich bin weder Historikerin, noch Archäologin, noch Forensikerin. Auch keine Paläontologin.

Warum eigentlich nicht? Was war der Schlüsselmoment in meinem eigenen Berufswahlprozess, der mich davon abgehalten hat, diese Leidenschaft zu meinem Beruf zu machen? Zu diesen Fragen und zu der Frage, wie ihr zu einer Entscheidung kommt, teile ich meine Gedanken und Erkenntnisse, die auch für dich wichtige Impuls für deine Berufswahl / die Berufswahl deines Kindes sind.

Ich finde es großartig, Archäologin zu sein. Aber ich bin nicht traurig, dass ich es nicht bin.

Die Entscheidung, Archäologie nicht zu meinem Beruf zu machen, habe ich damals sehr bewusst getroffen, sehenden Auges sozusagen. Ich habe mir dir richtigen Fragen gestellt und dann gemerkt, dass es nicht passt.

Klingt einfach und reflektiert, oder? Rückblickend war es eher Zufall als Methode. Und auf diesen Zufall würde ich mich bei meinen eigenen Kindern ehrlich gesagt nicht verlassen. Daher setze ich auch als Coach an dieser Stelle an.

Was ich daraus mitgenommen habe: Es wäre unglaublich hilfreich, wenn junge Menschen einen Sparrings-Partner haben, der die richtigen Fragen stellt.  

  • Was genau fasziniert dich – das Thema, die Arbeitsweise, das Berufsbild?
  • Wo möchtest du leben und welches Lebensmodell ist das richtige für dich? Passt deine Vorstellungen zu diesem Beruf?
  • Welche Rahmenbedingungen brauchst du, um langfristig zufrieden zu sein?
  • Was verändert sich, wenn deine Leidenschaft für einen bestimmten Bereich zur Pflicht wird?

Nicht jedes leidenschaftlich verfolgte Interessensgebiet eignet sich für ein erfüllendes (Berufs-)Leben.

Natürlich kann man sagen: Ich interessiere mich für Archäologie – also studiere ich das. Oder jemand spielt mit großer Leidenschaft Fußball oder begeistert sich für Pferde oder spielt ein Musikinstrument auf sehr hohem Niveau. In all diesen Fällen ist es wichtig, nicht nur das Interesse isoliert zu betrachten. Wenn man dabei andere Bereiche der Lebensplanung außer Acht lässt, zum Beispiel die eigenen Werte, Lebensziele oder auch ganz pragmatische Dinge wie den Arbeitsmarkt oder den Alltag, den man sich vorstellt – dann ist das oft zu kurz gedacht.

Interesse allein reicht nicht. Es braucht mehr.

Gerade bei der Berufswahl nach dem Abitur gibt es häufig folgende Muster:

  • kein klares Interesse für einen bestimmten Bereich
  • ein sehr starkes Interesse für einen bestimmten Bereich
  • sehr viele Interessensgebiete (Scanner-Persönlichkeiten)

Das ist alles ok. Sorgt aber in fast allen Fällen für Zündstoff in der Familie. Das ist oft herausfordernd und belastet den Alltag und die Beziehungen in der Familie.

Es macht sehr (!) viel Spaß, einem Interesse nur als Hobby nachzugehen. 

Es gibt sie, die Schattenseite: Wenn man etwas zum Beruf macht, dem man emotional sehr verbunden ist, kann der Druck, damit Geld zu verdienen oder erfolgreich zu sein, die ursprüngliche Freude ganz schön belasten.

Das bedeutet nicht, dass man Leidenschaft und Beruf nie verbinden sollte. Im Gegenteil.

Aber es lohnt sich, genau hinzuschauen: Wie verändert sich dein Verhältnis zu deinem Interessensgebiet, wenn es plötzlich zur Pflicht wird?

Im Bereich der Musik ist das zum Beispiel sehr herausfordernd. Musikerinnen und Musiker, die schon vor dem Abitur ein Musikinstrument so gut spielen, dass sie mit dem Gedanken spielen, die Musik zu ihrem Beruf zu machen, sind emotional sehr mit der Musik und ihrem Tun verbunden. Nicht selten gibt es auch herbe Rückschläge, nicht bestandene Eignungsprüfungen, verpatze Konzerte oder Probespiele.  Das macht junge Musikerinnen und Musiker verletzlich und es geht plötzlich nicht mehr um die Musik selbst, sondern um Noten, Punkte bei Wettbewerben, Studienplätze oder Jobs, die die Miete bezahlen müssen.

Bleiben wir im Bereich der Musik. Die Möglichkeiten, auf hohem Niveau Musik zu machen, auch als Nicht-Berufsmusiker, sind sehr vielfältig. Und dann geht es um die Musik, ohne finanziellen oder existenziellen Druck. Du kannst auch nach dem Abitur weiterkommen auf deinem Instrument – es gibt auch die Möglichkeit, professionellen Unterricht zu nehmen, ohne einen Studiengang im Bereich Musik zu belegen.

Ich habe mich gegen diesen Berufsweg entschieden und konnte mir eine fast kindliche Faszination bewahren.

Im Bereich der Archäologie kann ich mir den Luxus erlauben, mich treiben zu lassen. Mal beschäftige ich mich monatelang gar nicht mit Archäologie – und dann entfacht ein Zeitungsartikel oder eine Dokumentation die Begeisterung wieder neu. Und dann gehe ich mit dem Flow, ohne Erwartungsdruck, ohne Leistungsnachweis.

Das ist auch erfüllend. Auf eine ganz andere, leise Art.

Zum Nachdenken – für Eltern:

  • Gibt es auch in deinem Leben einen Bereich, den du manchmal lieber als Hobby behalten hättest?
  • Oder ein Interesse, das du gerne zum Beruf gemacht hättest?

Sprecht zuhause darüber!

Interessen können uns ein ganzes Leben lang begleiten, ohne unser Beruf zu sein.

Das ist vielleicht die wichtigste und hilfreichste Erkenntnis. Ein Interesse muss nicht zum Beruf werden, um wertvoll zu sein. Es darf einfach da sein. Es darf dich begleiten, inspirieren, erfüllen.

Berufliche Erfüllung entsteht oft weniger durch das „Was“ – also das konkrete Themenfeld – als durch das „Wie“: Wie willst du eigentlich arbeiten?

  • Sollen da Menschen sein? Kinder, älteren Menschen, Erwachsene? Oder eher nicht? Also lieber keine Menschen?
  • Weißt du, ob du in Teams zur Bestform aufläufst, oder liegt es dir, für dich allein zu arbeiten?
  • Was ist dir wirklich wichtig? Welche Werte sind für dich nicht verhandelbar? Wenn Umweltschutz zum Beispiel ein nicht verhandelbarer Wert für dich ist und du dir im Klaren darüber bist, ist das bedeutsam für deine Berufswahl.

Was bedeutet das für den Prozess der Berufswahl?

Wenn du gerade vor dieser Frage stehst, was du machen möchtest nach dem Abitur oder als Elternteil miterlebst, wie dein Kind mit dieser Entscheidung ringt, dann ist vielleicht das Wichtigste, sich auf den Weg zu machen. Das bedeutet: Die richtigen Fragen zu stellen, nach den Stärken, Interessen, Werten und Motiven. Und diese wirklich zu verstehen.

Und dann ehrlich zu schauen: Wo passen diese zu deinem Berufswunsch – und wo eben nicht.

Vielleicht kommt dann auch der Moment, in dem klar ist, dass man den „deep dive“ in ein interessengeleitetes Studium machen muss, ein Moment, in dem man spürt: Ich möchte das beruflich machen! Das ist mein Weg! Und wenn dieser Entscheidungsprozess gut begleitet wurde, dann ist der Weg, ein Interesse zum Beruf zu machen weder unrealistisch noch Traumtänzerei. Dann ist es richtig.

Genau diesen Prozess begleite ich in meinem Coaching. Nicht mit fertigen Antworten, sondern mit einem strukturierten Rahmen, in dem du deine eigenen Antworten findest.

Neugierig geworden?

Dann schaut gerne, wie mein Coaching „Wegweiser Zukunft“ aussieht – und ob es das Richtige für euch sein könnte.

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